Im März entflohen wir dem wirklich harten Winter in Berlin nach Teneriffa, in das Hotel Las Madrigueras mit dem direkt angrenzendem Golfplatz „Las Americas“. Hierhin hatte ich vor 21 Jahren meinen ersten Allein-Urlaub als totale Golfanfängerin gebucht und die wunderschöne Anlage und den Golfplatz direkt vor der Tür nie vergessen. Allerding begann die Reise mit maximalem Horror: Der Flieger in Berlin startete zu spät, der Anschlussflug in Zürich war verpasst und nach stundenlangem Warten in Madrid kamen wir endlich nachts um halb zwei auf einem menschenleeren Flughafen an. Das Kofferband drehte leer und uns wurde klar, dass auch unser Gepäck verschollen war. Eine Verlustanzeige zu später Stunde kaum möglich, da niemand Kompetentes mehr vor Ort war. Ich beschloss, nicht hysterisch zu werden (nützt ja nix) kippte angekommen im Hotel aber erst einmal einen großen Wodka. Früh am nächsten Morgen ging ich zur Rezeption und erwischte einen wirklich sautüchtigen Mitarbeiter des Hotels. Ich schilderte die Lage, konnte nur die Gepäckscheine auf den Tickets vorweisen und stand daneben, als er eine unglaubliche Telefonaktion startete. Irgendwann sagte er, ich könne ruhig erst einmal frühstücken gehen – das würde dauern. Zusammen mit Charly entschied ich, dass es komplett Scheiße wäre, wenn wir quasi „nackt“ und mit schlechter Laune im Hotel sitzen bleiben würden und beschlossen, Golfspielen zu gehen, um 13 Uhr wäre sowieso unsere erste Startzeit. Die gemieteten Golfbags warteten im Untergeschoss, wurden auf den Buggy verladen und wie ich es jahrelang nicht vergessen hatte, öffnete sich auf Knopfdruck das Tor und vor uns lag der Golfplatz! Whow! Genauso toll, wie ich es in Erinnerung hatte!
Im Proshop kauften wir das Nötigste und starteten pünktlich mit einem netten englischen Ehepaar unsere erste Urlaubsrunde. Und als auf den Back Nine plötzlich mein Handy klingelte und eine freundliche Stimme fragte, ob unser Gepäck auf das Zimmer gebracht werden sollte, fiel ich Charly in die Arme: „Juchuuu! Meine Prada-Stiefelchen sind gerettet!“
In dem Moment begann der Urlaub. Das Hotel Madrigueras ist wunderschön! Dreistöckig, im spanischen Stil gebaut, mit 57 Zimmer fast intim belegt, liegt es (wie es sich gehört) oberhalb des grausamen Touristenrummels von Los Christianos.

Als Adult-Only ausgewiesenes Hotel besteht die Klientel hauptsächlich aus Golfern in den besten Jahren, überwiegend aus England und Deutschland. Der zugehörige Golfplatz „Las Americas“ ist der Klientel angepasst gemütlich mit dem Buggy zu befahren und nicht übermäßig schwierig. Komplett ausgelastet, starten 4er-Flights in stetiger Folge, was nervige Wartezeiten verhindert. Interessant: Die Senioren starten vormittags, ab mittags bis in den Abend starten jüngere Leute aus umliegenden Hotels, „Residents“, oder Spanier. Ein paar Impressionen:

Im Hintergrund sind Hochhäuser der Touristenburgen zu sehen……
Leider konnte ich schon am ersten Abend im Hotel-Restaurant beim Blick auf die Speisekarte sehen: Hier werde ich nicht glücklich. Egal, was ich wählte, ob Filetsteak oder Salat mit Burrata, es schmeckt einfach nicht. Warum auch immer, der Koch konnte wirklich nicht kochen. Ich bekämpfe den Frust mit alkoholhaltigen Cocktails und versuchte, nicht zu meckern. Während unserer Golfrunden mit anderen Hotelgästen erfuhren wir aber schnell, dass es nicht nur uns nicht schmeckte. (Sogar die Engländer meckerten )Um dem Hotelessen zu entgehen, wanderten wir den Hügel hinab in die Hölle des Over-Tourismus, aßen auf der Promenade Burger, saßen inmitten des endlosen Stroms hässlicher Menschen auf der Suche nach dem Glück und konnten nicht fassen, wie irgendein denkender Mensch hier seinen Urlaub verbringen konnte. Ein Photo vom „Strand“:

Ich hatte als Alternative zum hoteleigenen Golfplatz Starzeiten auf drei anderen Plätzen in der Umgebung gebucht. Mit dem Taxi machten wir uns auf den Weg zum Golfplatz „Amerillas“. Leider sahen wir schon bei der Anfahrt, daß heftiger Wind vom Meer ungünstige Bedingungen versprach. Wir starteten und machten uns keine Illusionen: Diese Runde würde heftig werden…..Aber am Ende war es nicht der Wind, der die Runde gruselig werden lies, sondern die gesamte Umgebung, die fast apokalyptisch anmutete: Rechts und links der Fairways begrenzten entweder endlose Apartmentanlagen oder genauso endlos erscheinende Baugruben den Platz. Der Ausblick auf das Meer am  15. Loch konnte mich auch nicht mehr besänftigen: Ich habe noch nie eine soooo hässliche Golfanlage gesehen! Und wie man in diesen Apartments seinen Urlaub verbringen, oder sie sogar kaufen kann, wird immer immer ein Rätsel bleiben, denn: Alle (gemessenen) 5 Minuten setzt eine Maschine zum Tiefflug an den nahegelegenen Flughafen an. (Und es gibt kein Nachtflugverbot wie in Deutschland)

Hier noch ein Photo der anheimeligen Umgebung der Fairways:

Zurück im Hotel stornierte ich sofort die beiden Starzeiten in den anderen südlichen Golfanlagen und konnte für uns ins „Las Americas“ umbuchen. Aus Gesprächen mit den anderen Golfern erfuhr ich, dass es zwar zwei weitere Golfanlagen weiter oben im Norden geben würde, diese aber durch die Lage, Wetterbedingungen und Schwierigkeitsgrade auch nicht unumstritten seien…… Hmmmm….. Tomorrow is another day und über das nächste Jahr denke ich später nach!
Wenn ich mal das Essen abstreiche, ist das „Las Madrigueras“ wirklich fein. Charly plantschte im Pool, ich stemmte ein paar Gewichte und ging in die Sauna und der Ausblick am Abend war wirklich fast wie bei „Tausend und einer Nacht“….:

Kurz vor unserer Anreise wurde das Hotel verkauft und vielleicht wird der neue Besitzer die eine oder andere Veränderung durchführen. Vielleicht ein paar jüngere Gäste und auf jeden Fall besseres Essen! Dann sehen wir uns wieder!