Golf Blog Berlin



Warum ( Um Himmels Willen) nur Golf?


Schon Ende der neunziger Jahre bildete sich in einer winzigen Ecke meines Kopfes die Idee: "Du musst Golf spielen...."
Keine Ahnung, warum. Einzig und allein die Tatsache, dass ich auf der Suche nach einem neuen Sport war und die herkömmlichen Angebote aus den verschiedensten Gründen durch's Raster fielen: Reiten? Ich mag Tiere nicht und Pferde ganz besonders. Tennis? Aus der Mode und zu anstrengend. Tauchen? Ich hab Angst vor tiefem Wasser. Fliegen? Ich habe Höhenangst. Kampfsport? Leider zu alt.

Ein Kurzurlaub 1999 in Bad Saarow ließ meine begehrliche Blicke zu den geschäftigen Golfern wandern, die mit ihren kleinen Wägelchen zielstrebig die für einen Nichtgolfer verborgenen Weiten des brandenburgischen Hinterlandes anstrebten. Meine beste Freundin Ute kommentierte meine Blicke nur pragmatisch: "Hast du einen Knall? Das sind doch alles nur uralte Zahnärzte in karierten Hosen. Lass uns zu den Surfern am See gehen!"
Dasselbe Gefühl kam auf, als ich als simpler Urlauber in dem wunderbaren Golfhotel SonVida in Mallorca die Golfgemeinde zum Abschlag streben sah: Ich gehörte nicht dazu. Der Entschluss reifte, doch zuerst hieß es erst einmal eine wirklich hohe Hürde zu überwinden:
Ich war 45 Jahre alt und hatte keinen Führerschein!
Dass Golfplätze nur selten auf dem Berliner Kurfürstendamm zu finden sind und die Ausrüstung mit Sicherheit zu schwer sein würde, um sie mit öffentlichen Verkehrsmittel zu transportieren, lag auf der Hand. Nie und nimmer hätte ich in den vorangegangenen Jahren jemals daran gedacht, je selbst ein Auto zu fahren. No Way! Doch 1999 meldete ich mich kurz entschlossen zum Führerschein an und überstand die Prozedur auch erfolgreich. Das erste kleine Autochen sollte ein Frauenauto mit Automatik werden und schon bald nannte ich einen winzigen Fiat Ypsilon mein Eigen. 4 Jahre später stand das kleine Wägelchen wirklich etwas verloren zwischen all den glänzenden Karossen auf dem Parkplatz des Golfclub Semlin am See. Wer hätte das gedacht?

 

Leider ließen berufliche und private Desaster das Projekt Golf erst einmal wieder für einige Jahre in der Schublade verschwinden. Doch dann nahte unabwendbar der bedrohliche "Fünfzigste Geburtstag " und mit ihm die allumfassende Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz. Über den Jahreswechsel meditierte ich über mein Leben im allgemeinen und über den Sinn und Zweck des Ganzen im Besonderen und beschloss ganz alleine für mich, die berühmte Frage: "Haben Sie noch Sex - oder spielen Sie schon Golf...?" in Zukunft folgendermaßen beantworten zu wollen: "ICH SPIELE GOLF!"

Als ersten Schritt in die richtige Richtung lud ich im Januar 2004 meinen alten Freund Thomas - der einzige Mensch den ich kannte, der Golf spielte - zum Abendessen ein und stellte ihm die wichtige Frage:
"Was muss ich tun, um Golf zu spielen?"
Thomas erklärte bei gutem Essen und ausreichend Grappa alles, was es zu Wissen gab. Auf die Frage, welchen Club er mir empfehlen würde, nannte er seinen Heimatclub Semlin am See und damit war alles klar. Im Mai 2004 meldete ich mich zusammen mit meiner Freundin Ute zum Platzreifekurs an. Und - als ob all die undefinierbaren, nebulösen Vorstellungen plötzlich Gestalt angenommen hätten, wusste ich vom ersten Tag an: Das ist es!

Dieses unglaubliche Glücksgefühl, wenn der Ball nach so endlos vielen, erfolglosen Versuchen dann doch hoch in den Himmel fliegt, seine Bahn zieht und am Ende mit einem satten "Plopp" ganz weit vorne auf dem Fairway aufschlägt, ausrollt und friedlich liegen bleibt, dieses Gefühl hat vom ersten Tag an meine Seele berührt.
Ich hatte nie Bücher über Golf gelesen, kaum Filme gesehen und nie Turniere im TV verfolgt. Doch hat mich von den ersten 5 Tagen der PE-Prüfung an das ruhige, konzentrierte und respektvolle Prozedere auf einem Golfplatz tief beeindruckt. Der Umgang miteinander und die Ruhe, die man dem Mitspieler für seinen Schlag gibt, der Respekt und die Rücksichtnahme, diese ganze etwas altmodisch anmutende Etikette des sich Vorstellens, sich ein schönes Spiel zu wünschen und sich am Ende wieder die Hände zu reichen, befriedigt vielleicht irgendwo tief in mir die Sehnsucht nach der "guten, alten Zeit" und vergangenen Traditionen.
Dass in den vergangenen Jahren nebenbei auch noch die Erkenntnis gewachsen ist, dass dieser Sport zu den Schwersten gehört, und nichts mit "Spazierengehen-im-Grünen" zu tun hat, sei nur nebenbei erwähnt.

 

Um die Eingangsfrage "Warum bloß Golf?" zu beantworten, fällt mir nach 13 sehr intensiven Jahren eigentlich nur eine Antwort ein:

"Entweder berührt dich dieser Sport - oder nicht."
Eine Zwischenlösung gibt es wohl nicht.

 

 

 

(Semlin am See 2004)

 
 

 

 

 

 

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